24-Stunden-Betreuung organisieren: Was sollten Angehörige beachten?

24-Stunden-Betreuung organisieren: Was Angehörige beachten sollten

Wenn ein Angehöriger im Alter zunehmend Unterstützung im Alltag benötigt, stehen Familien oft vor einer wichtigen Entscheidung: Wie kann eine zuverlässige Betreuung organisiert werden, ohne dass die vertraute Umgebung aufgegeben werden muss?

Eine 24-Stunden-Betreuung zu Hause kann eine mögliche Lösung sein. Sie kann Senioren im Alltag unterstützen, Gesellschaft leisten und Angehörige entlasten. Gleichzeitig gibt es bei der Organisation viele Punkte, die Familien im Vorfeld klären sollten.

Von der individuellen Bedarfsermittlung über die Auswahl einer geeigneten Betreuungskraft bis hin zu Kosten, Aufgaben und vertraglichen Regelungen – eine gute Vorbereitung kann dabei helfen, die passende Betreuungslösung zu finden.

In diesem Artikel erfahren Sie, worauf Angehörige bei der Organisation einer 24-Stunden-Betreuung achten sollten.

Was bedeutet 24-Stunden-Betreuung?

Unter einer 24-Stunden-Betreuung wird häufig eine Betreuungsform verstanden, bei der eine Betreuungskraft im Haushalt des Seniors lebt und ihn im Alltag unterstützt.

Dabei bedeutet „24 Stunden“ nicht, dass die Betreuungskraft rund um die Uhr ohne Pausen arbeitet. Auch Betreuungskräfte benötigen Arbeitszeiten, Pausen und Ruhezeiten.

Der konkrete Umfang der Unterstützung sollte deshalb von Anfang an klar vereinbart werden.

Zu den möglichen Aufgaben gehören beispielsweise:

  • Unterstützung im Haushalt
  • Zubereitung von Mahlzeiten
  • Begleitung bei Spaziergängen
  • Unterstützung bei Einkäufen
  • Gesellschaft und Gespräche
  • Begleitung zu Terminen
  • Unterstützung bei der Tagesstruktur

Welche Aufgaben tatsächlich übernommen werden können, hängt von der individuellen Vereinbarung und den rechtlichen Rahmenbedingungen ab.

1. Zuerst den individuellen Betreuungsbedarf feststellen

Bevor eine Betreuung organisiert wird, sollten Angehörige genau überlegen, welche Unterstützung tatsächlich benötigt wird.

Dabei können folgende Fragen helfen:

  • Bei welchen Tätigkeiten benötigt der Senior Unterstützung?
  • Kann die Person noch selbstständig essen und trinken?
  • Ist Unterstützung beim Ankleiden erforderlich?
  • Kann der Senior alleine aufstehen und sich bewegen?
  • Wie viel Unterstützung wird im Haushalt benötigt?
  • Gibt es regelmäßige Arzttermine?
  • Wird nachts Unterstützung benötigt?
  • Ist Gesellschaft und Begleitung besonders wichtig?

Eine möglichst genaue Einschätzung hilft dabei, die Anforderungen an die Betreuungskraft realistisch zu definieren.

2. Aufgaben und Erwartungen klar festlegen

Missverständnisse können vermieden werden, wenn die Aufgaben vor Beginn der Betreuung möglichst konkret besprochen werden.

Angehörige sollten beispielsweise festlegen:

  • Welche Haushaltstätigkeiten übernommen werden?
  • Wer kocht und welche Mahlzeiten werden bevorzugt?
  • Wie häufig sind Spaziergänge geplant?
  • Welche Termine müssen begleitet werden?
  • Welche persönlichen Gewohnheiten hat der Senior?
  • Welche Unterstützung wird morgens und abends benötigt?

Auch die Wünsche des Seniors sollten berücksichtigt werden. Schließlich soll die Betreuung den Alltag erleichtern und nicht unnötig einschränken.

3. Die passende Betreuungskraft auswählen

Die persönliche Beziehung zwischen Senior und Betreuungskraft spielt eine wichtige Rolle.

Neben Erfahrung und Qualifikation können auch persönliche Eigenschaften entscheidend sein. Dazu gehören beispielsweise:

  • Einfühlungsvermögen
  • Geduld
  • Zuverlässigkeit
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Kommunikationsfähigkeit
  • passende Sprachkenntnisse
  • Erfahrung im Umgang mit älteren Menschen

Wenn möglich, sollten Angehörige und Senior in die Auswahl einbezogen werden.

Ein persönliches Gespräch vor Beginn der Betreuung kann dabei helfen, Erwartungen und Wünsche auf beiden Seiten besser kennenzulernen.

4. Sprachkenntnisse und Kommunikation berücksichtigen

Eine gute Kommunikation ist für die Betreuung im Alltag besonders wichtig.

Die Betreuungskraft sollte die wichtigsten Bedürfnisse und Wünsche des Seniors verstehen können. Gleichzeitig sollte der Senior die Möglichkeit haben, seine Anliegen und Probleme verständlich mitzuteilen.

Deshalb sollten Familien bereits bei der Auswahl darauf achten, welche Deutschkenntnisse erforderlich sind.

Je nach Situation kann es außerdem hilfreich sein, wichtige Informationen über den Tagesablauf, Medikamente oder Termine schriftlich festzuhalten.

5. Kosten der 24-Stunden-Betreuung prüfen

Die Kosten können je nach Betreuungsmodell, Umfang der Unterstützung, Qualifikation und weiteren Faktoren unterschiedlich ausfallen.

Vor einer Entscheidung sollten Familien deshalb genau prüfen:

  • Welche Leistungen sind im Preis enthalten?
  • Gibt es zusätzliche Vermittlungs- oder Reisekosten?
  • Welche Kosten entstehen für Unterkunft und Verpflegung?
  • Wie wird die Betreuungskraft bezahlt?
  • Gibt es Kosten für eine Ersatzkraft?
  • Welche Kündigungsfristen gelten?

Eine transparente Kostenübersicht hilft dabei, spätere Überraschungen zu vermeiden.

Auch mögliche finanzielle Unterstützung durch die Pflegeversicherung sollte geprüft werden, wenn ein Pflegegrad vorliegt.

6. Rechtliche Rahmenbedingungen beachten

Bei der Organisation einer 24-Stunden-Betreuung sollten Familien auch die rechtlichen Rahmenbedingungen berücksichtigen.

Je nach Betreuungsmodell können unterschiedliche Regelungen gelten. Besonders wichtig sind beispielsweise Fragen zur Beschäftigung, Arbeitszeit, Sozialversicherung und vertraglichen Vereinbarungen.

Familien sollten daher darauf achten, dass das gewählte Modell rechtlich korrekt organisiert ist.

Bei einer Vermittlung über einen Dienstleister sollten die Vertragsbedingungen sorgfältig gelesen und offene Fragen vor Beginn der Betreuung geklärt werden.

7. Arbeits- und Ruhezeiten berücksichtigen

Eine Betreuungskraft kann nicht dauerhaft ohne Pausen arbeiten.

Deshalb sollte bei der Organisation auch berücksichtigt werden, wann die Betreuungskraft arbeitet, wann sie Pausen hat und wann sie ihre Ruhezeiten einhält.

Wenn regelmäßig Unterstützung während der Nacht erforderlich ist, sollte dies bereits bei der Planung berücksichtigt werden.

Bei einem besonders hohen Betreuungs- oder Pflegebedarf kann es sinnvoll sein, zusätzliche Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst oder weitere Fachkräfte zu prüfen.

8. Betreuung und Pflege voneinander unterscheiden

Ein wichtiger Punkt bei der Organisation ist die Unterscheidung zwischen Betreuung und professioneller Pflege.

Eine Betreuungskraft kann beispielsweise bei alltäglichen Aufgaben, im Haushalt oder bei der Freizeitgestaltung unterstützen.

Medizinische Behandlungspflege und bestimmte pflegerische Tätigkeiten setzen dagegen entsprechende Qualifikationen voraus.

Dazu können beispielsweise medizinische Versorgung, Wundversorgung oder andere fachlich anspruchsvolle Tätigkeiten gehören.

Wenn ein Senior umfangreiche pflegerische Unterstützung benötigt, sollte daher geprüft werden, welche zusätzlichen professionellen Pflegeleistungen notwendig sind.

9. Wohnsituation für die Betreuungskraft vorbereiten

Bei einer Betreuungskraft, die im Haushalt des Seniors lebt, sollte auch die Wohnsituation berücksichtigt werden.

Idealerweise steht ein geeigneter privater Rückzugsbereich zur Verfügung. Auch die Nutzung von Bad, Küche und anderen Räumen sollte vorab besprochen werden.

Eine respektvolle und angenehme Wohnsituation ist wichtig für beide Seiten.

10. Ersatz bei Urlaub oder Krankheit einplanen

Auch eine Betreuungskraft kann krank werden, Urlaub benötigen oder aus anderen Gründen kurzfristig ausfallen.

Angehörige sollten deshalb bereits bei der Organisation fragen:

  • Gibt es eine Ersatzkraft?
  • Wer ist im Notfall Ansprechpartner?
  • Wie schnell kann eine Vertretung organisiert werden?
  • Was passiert bei längerer Abwesenheit?

Eine geregelte Vertretung kann für Familien zusätzliche Sicherheit schaffen.

11. Verträge und Leistungen sorgfältig prüfen

Vor Beginn der Betreuung sollten alle wichtigen Vereinbarungen schriftlich festgehalten werden.

Dazu können beispielsweise gehören:

  • Aufgaben und Tätigkeiten
  • Arbeitszeiten und Ruhezeiten
  • Vergütung
  • Unterkunft und Verpflegung
  • Reisekosten
  • Kündigungsfristen
  • Regelungen bei Krankheit
  • Vertretung bei Urlaub
  • Ansprechpartner bei Problemen

Je klarer die Vereinbarung, desto einfacher lassen sich spätere Missverständnisse vermeiden.

12. Den Senior in die Entscheidung einbeziehen

Die Meinung des Seniors sollte bei der Organisation nicht vergessen werden.

Schließlich geht es um sein Zuhause, seinen Alltag und seine persönliche Lebensgestaltung.

Angehörige sollten deshalb gemeinsam mit dem Senior besprechen:

  • Welche Unterstützung wird gewünscht?
  • Welche Aufgaben sind besonders wichtig?
  • Welche Gewohnheiten sollen beibehalten werden?
  • Welche Erwartungen gibt es an die Betreuungskraft?
  • Was ist dem Senior im täglichen Zusammenleben wichtig?

Wenn der Senior in die Entscheidung einbezogen wird, kann dies die Akzeptanz der Betreuung erleichtern.

Checkliste: Was sollten Angehörige vor Beginn klären?

Vor dem Start einer 24-Stunden-Betreuung können Familien folgende Punkte prüfen:

☑ Betreuungsbedarf ermittelt
☑ Aufgaben und Erwartungen definiert
☑ Passende Betreuungskraft ausgewählt
☑ Sprachkenntnisse berücksichtigt
☑ Kosten vollständig geklärt
☑ Vertrag und Bedingungen geprüft
☑ Arbeits- und Ruhezeiten berücksichtigt
☑ Wohnsituation vorbereitet
☑ Regelung für Krankheit und Urlaub geklärt
☑ Abgrenzung zwischen Betreuung und Pflege geklärt
☑ Mögliche finanzielle Unterstützung geprüft
☑ Senior in die Entscheidung einbezogen

Fazit

Eine 24-Stunden-Betreuung zu organisieren ist eine wichtige Entscheidung, die gut vorbereitet werden sollte. Je genauer der individuelle Unterstützungsbedarf festgestellt und je klarer Aufgaben, Kosten und Rahmenbedingungen vereinbart werden, desto besser lässt sich eine passende Betreuungslösung finden.

Angehörige sollten dabei nicht nur auf die fachlichen Voraussetzungen achten. Auch Vertrauen, Kommunikation und ein respektvoller Umgang zwischen Senior und Betreuungskraft sind entscheidend.

Wenn der Betreuungsbedarf über die alltägliche Unterstützung hinausgeht, sollte außerdem geprüft werden, ob zusätzliche professionelle Pflege erforderlich ist.

Eine sorgfältige Planung kann dazu beitragen, dass Senioren weiterhin in ihrer vertrauten Umgebung leben können und gleichzeitig die notwendige Unterstützung im Alltag erhalten.